Christina Didszun, Sterbebegleitung Für die Seele das sein bis zum Schluss

Sterbebegleitung: Für die Seele „da Sein“ bis zum Schluss!

und Christina… warum bist du hier, fragte mich die Leiterin des Kurses für ambulante Sterbebegleitung?

Was bewegt dich zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit?

Um mich herum saß eine Gruppe von Männern und Frauen die nacheinander erzählten, warum sie sich für die Ausbildung, der Sterbebegleitung entschieden hatten. Nun war ich an der Reihe. Während ich zu sprechen begann, trafen sich unsere Blicke und ich sagte, dass ich aus zwei Gründen hier wäre.

Die Sterbebegleitung habe ich aus tiefer Dankbarkeit dem Leben gegenüber gewählt.

Dann erzählte ich von den Jahren meiner Essstörung und wie ich mich befreit hatte. Welche steinigen Wege ich dafür gehen musste und ich sogar schlussendlich meine Karriere und meinen Beruf als Marketing Beraterin aufgegeben habe. Seiter begleite ich essgestörte Frauen in die Freiheit. Dass ich mich dafür als Coach für Rückführungen habe ausbilden lassen, um so meiner Bestimmung, meinem Herzen folgen zu können. 6 Jahre wäre ich nun frei. Wofür ich sehr dankbar wäre.

Seitdem denke ich, dass mir ein zweites Leben geschenkt worden sei.

Und zum zweiten, berichtete ich, wie es zu meiner derzeitigen Arbeitslosigkeit kam. Und das ich mit dieser ehrenamtlichen Tätigkeit, der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte. Als ausgebildete Rückführungstherapeutin würde ich Vieles über den Tod, die Seele und das Sterben wissen.

Daher habe ich gerade die Sterbebegleitung gewählt, um ehrenamtlich meinen Dienst den Menschen weiterzugeben.

Ich erzählte von den Rückführungen, von Menschen, die ich durch den Tod in der Rückführung begleitet hatte und dass mir selbst so die Angst vorm Sterben genommen wurde.

Die Teilnehmer des Kurses schauten mich verständnislos an.

Meine Motive erschienen ihnen äußerst fremd. Ihre Motive waren ganz anderer Art. Einige wollten den Tod eines geliebten Partners verarbeiten. Andere wiederum gerade im Sterben liegende Freunde verstehen lernen oder bestehende Trauer in sich verarbeiten. Manche wollten sich einfach ihrer eigenen Angst vor dem Sterben stellen.

So begann mein erster Tag in einer sehr netten Gruppe von Berliner Menschen, die sich zusammengeschlossen hatten um ihrer Angst vor dem Tod oder dem Sterben zu begegnen. Die Dozenten waren allesamt bemüht, uns auf sehr achtsame und verständnisvolle Weise auszubilden.

Achtsamkeit, Respekt und Wertschätzung allem Lebendigen gegenüber waren oberstes Gebot.

Diese Haltung und zog sich wie ein roter Faden ebenfalls durch sämtliche Ausbildungsinhalte.

Christina Didszun, Sterbebegleitung Für die Seele das sein bis zum Schluss

Wir erfuhren über die Entwicklung und Geschichte von ambulanter Sterbebegleitung deren Strukturen und Arbeitsweisen sowie Vernetzungen von Institutionen. Dabei lernten wir den Umgang mit eigenen Grenzen, Achtsamkeit sowie Trauer und Betroffenheit kennen.

In der Gemeinschaft lernten wir mit dem Sterben, dem Wandel umzugehen.

Darüber hinaus erhielten wir Grundlagenwissen zu Sterben und Tod (medizinisch), Kommunikation in der Sterbebegleitung (Basale Kommunikation), Spirituelle Begleitung und Umgang mit Abschied und Trauer.

Darüber hinaus bekamen wir noch weiterführende Informationen, wie uns das DRK mittels Supervisionen Arbeit begleiten und unterstützen würde.

Wir hatten das Gefühl, eine umfassende und professionelle Ausbildung zu erhalten.

Nach kurzer Zeit merkte ich, dass mir mein Wissen über Rückführungen und die diesbezüglichen, eigenen Erfahrungen wertvollen Dienst erwiesen. Sowohl meine zahlreichen Erfahrungen in der Coachausbildung, als auch ein vor wenigen Jahren erlebtes Nahtoderlebnis, machte es mir im Vergleich zu den anderen Teilnehmern einfacher, mit dem gesamten Sterbeprozess umzugehen.

Mein eigenes Nahtoderlebnis hatte ich in meinem Buch „Als der Schmerz aufhörte die Seele zu essen“ verarbeitet.

Seinerzeit erfuhr ich, dass es noch nicht meine Zeit war, die Erde zu verlassen. Als ich aus diesem Zustand wieder zurückgekehrt war, beschloss ich mich meinen Gefühlen zu stellen. Ich wollte mich in aller Tiefe kennenlernen und mein Wesen ergründen.

Von diesem Moment an empfand ich es als großes Geschenk, hier auf Erden zu sein.

Die Ausbildung erstreckte sich über vier Wochen und wir trafen uns täglich, um miteinander zu arbeiten. Wir zeigten uns unsere verletzlichsten Seiten, unsere größten Ängste und öffneten uns für etwas, was unser aller Vorstellungskraft übersteigen würde.

Der Stille in den Sterbeprozessen, der Nähe, der Sprachlosigkeitund der Aufgabe jeglicher Kontrolle. Wir mussten uns mit der Trauer auseinandersetzen und der der Leere. Und dann war da noch etwas, von dem wir nicht wussten, was es mit uns am Ende jeder Begleitung machen würde: dem „Unbekannten“.

Für die Spur in uns, die Erinnerung, die jeder Verstorbene in uns hinterlassen würde.

Zu dieser Zeit meldete sich meine Mutter und sagte: „Kind, möchtest du nicht einmal in deinem Leben einmal etwas Fröhliches tun?“ Ich schaute meiner Mutter in die Augen und in diesem Moment wurde mir klar, dass sie mich nie verstehen würde. Diese Erkenntnis machte mich sehr traurig.

Nie würde sie verstehen, dass es für mich wichtig war, den Dienst am Menschen zu tun.

Sterbebegleitung bedeutet für mich, dass ich dabei sein darf, wenn ein Mensch, eine Seele den höchsten Entwicklungspunkt in seinem Leben erreicht hat.

Dass er, wenn er seinen Lebensplan vollbracht, ich ihm in diesem Moment seiner Vervollkommnung beiwohnen darf. Dass ich sein Vertrauen habe, ihn auf die andere Seite begleiten zu dürfen. Die meisten ahnen es gar nicht, welches Geschenk uns der Sterbende macht, wenn wir seinem Sterbeprozess beiwohnen dürfen.

Weiter lernte ich in dieser Ausbildung, wie man Sterbende betreut und wie man Nähe entstehen lässt, ohne aufdringlich zu sein. Wie der Sterbeprozess körperlich abläuft und wie man mit den Angehörigen umgeht.

Wichtig war ebenso zu wissen, was man nach dem Tod als Erstes veranlassen muss.

In diesem Zusammenhang besuchten wir einen Bestatter um von seiner Seite zu erfahren, worauf bei der Bestattung zu achten ist und wie aus seiner Sicht der respektvolle Umgang mit Angehörigen ablaufen sollte.

Ich erfuhr ebenso, dass ich als ambulante Sterbebegleiterin erst in den letzten 3–5 Tagen vor dem Eintritt in den Tod gerufen werde.

Ambulante Sterbebegleiter gehen entweder zu den Patienten nach Hause oder in Pflegeheime bzw. Krankenhäuser/ Hospize. Meist begleiten sie Menschen, die allein sind. Hierfür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Oftmals liegt es an Familienstreitigkeiten.

Zahlreiche Fallbeispiele verdeutlichten uns, dass jeder Mensch seinen eigenen Tod, sein eigenes Sterben hat.

Hier erfuhr ich erstmals den Grund, warum viele Menschen in der Nacht sterben.

Oftmals bevorzugt der Sterbende es, mit sich alleine zu sein. Denn in vielen Fällen können Angehörige in ihrer Not den Sterbenden nicht gehen lassen. Dies ist dann für den Sterbenden besonders schwer.

In dieser Zeit erinnerte ich mich oft an den Sterbeprozess meines Vaters.

Ich war gerade 30 Jahre und dabei mein Studium der BWL zu beenden, als mein Vater an Krebs erkrankte. Heute, mit all meinem Wissen, bin ich so dankbar, dass ich ihn ein ganzes Jahr durch diese Krankheit begleiten durfte. Auch wir hatten zuvor fast unüberbrückbare Familienstreitigkeiten.

Christina Didszun, Sterbebegleitung Für die Seele das sein bis zum Schluss

 

Ein ganzes Jahr begleitete ich ihn – durch Behandlungen und zahlreiche Operationen.

Die wenige Zeit, die uns verblieb, wollte ich mit meinem Vater verbringen und irgendwann im Herbst schlief er in den Morgenstunden in meinen Armen ein. Und noch heute bin ich unendlich dankbar, dass ich seinerzeit in der Lage war, den ganzen Groll und Ärger hinter mir zu lassen.

So hatte ich drei wirklich wundervolle Jahre mit meinem Vater.

Und ich bin unsagbar glücklich, dass ich diesen Mut und die Stärke aufgebracht habe, meinen Vater in Liebe zu verabschieden. Aber dies ist eine ganz andere Geschichte.

Die Zeit des Abschlusses für unsere Ausbildung näherte sich, und wir merkten unserer Kleingruppe an, dass wir alle sehr aufgeregt und nervös wurden, als es darum ging, die kommenden Einsätze zu planen.

Als ersten Patienten wünschte mir eine Komapatientin.

Warum mir dies so wichtig war und was ich bei meinem ersten Einsatz erlebte, schildere ich in der Fortsetzung dieses Beitrages.

Das Ehrenamt der ambulanten Sterbebegleitung hat mir sehr viel Kraft, Energie und Lebensfreude geschenkt. Ich kann dieses Amt nur empfehlen und hoffe, mit diesem Artikel bestehende Vorbehalte beseitigt zu haben.

Diesen Blogbeitrag habe ich für die Blogparade der Plaudertasche zum Thema „Ehrenamt“ geschrieben.

 

Mit ganz lieben Grüßen, deine Christina

Solltest du dringende Fragen zu den Themen Sterben, Trauer und Abschied haben, dann kannst du dich gerne an mich wenden. Schreibe mir eine Nachricht.

http://www.christina-didszun.de/kontakt/

Christina Didszun ist Diplom-Kauffrau (Marketing), Psychologische Beraterin und Autorin.

Fünf Blockaden, die du als Friedensstifter automatisch verlierstAls Mentalcoach arbeitet sie seit über 16 Jahren erfolgreich mit essgestörten Frauen.

Nach ihrer Selbstheilung (20 Jahre Bulimie) beschloss sie die Karrierewelt zu verlassen, um ihr gesammeltes Wissen über Essstörungen betroffenen Frauen weiter zu geben.

Als Autorin der Bücher: „Als der Schmerz aufhörte die Seele zu essen“ und „Rendezvous mit dem Leben“ half sie bereits zahllosen Frauen, ihren Weg in die Freiheit zu finden.

Ihr Wunsch und ihr großer Traum ist es, dass „jede Frau einmal das Gefühl der Freiheit spüren sollte“.

Einmal erfahren: Ich kann essen wann, wo, mit wem, was und wieviel ich essen will.

Und das Beste überhaupt, ich selbst kann entscheiden, ob ich überhaupt essen möchte.

Dies zu erleben – das ist wahre Freiheit. Dafür lohnt es sich zu leben. Mit ihrem Online-Business öffnet sie nun erstmalig die „Schatztruhe“ ihrer jahrelangen Erfahrung.

Dies ist die Gelegenheit, kostengünstig von ihrem Wissen zu profitieren. Zahlreiche Videotrainings, E-Books, Hörbücher, Checklisten und weiteres Material stehen nach langer Vorarbeit in Kürze zur Verfügung. Kontakt zu Christina Didszun:  http://www.christina-didszun.de/

 

About the Author WP Admin

  • Clarissa sagt:

    Was für ein berührender Artikel, danke dafür! Ich finde es so schön, wie du schreibst, dass du diesen Dienst am Menschen als deine Aufgabe ansiehst und du das Sterben auch als so etwas Friedliches ansehen kannst. Leider ist Sterben in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema.

    „Sterbebegleitung bedeutete für mich, dass ich dabei sein darf, wenn ein Mensch, eine Seele den höchsten Entwicklungspunkt in seinem Leben erreicht hat.“

    Das ist ein wunderbarer Satz, den ich mir gerne für mich mitnehme aus deinem Beitrag!

    Danke, dass du deine so wichtige Arbeit hier nähergebracht hast. Ich kann mir auch für mich vorstellen, ein solches Ehrenamt einmal auszuüben, und dein Artikel hat mich darin bestärkt.

    Liebe Grüße an dich,

    Clarissa

    • WP Admin sagt:

      Liebe Clarissa, vielen Dank für diesen wundervollen Kommentar. Es freut mich, dass du meinen Satz mitnehmen konntest. Was gibt es für einen Autoren Schöneres, als das er die Herzen seiner Leser berührt. Danke für dein Feedback, Gott schütze dich, Christina

  • Tatjana sagt:

    Liebe Christina,

    Wenn ich das richtig verstehe, haben die anderen Teilnehmer diesen Kurs gewählt, um etwas für sich selbst zu verarbeiten, um selbst besser mit dem Thema umgehen zu können. Ich verstehe zwar ihre „Verständnislosigkeit“ Dir ggü., aber ich glaube (so klingt es zumindest für mich), dass Du einfach diesbezüglich nichts zu verarbeiten hast. Ich habe das Gefühl, Du hast Deinen Frieden mit unterschiedlichen Themen gefunden und ich glaube, dass genau DAS eine zentrale Grundvoraussetzung ist, um in der Sterbehilfe tätig sein zu können.  Das ist bewundernswert und zugleich könnte ich mir auch vorstellen, dass es auf den ein oder anderen (der noch nicht so weit ist) ziemlich „respekteinflößend“ wirkt 😉
    Aber mal davon ab bin ich dankbar für Dich und Deine Einstellung Dir selbst gegenüber („Ich wollte mich in aller Tiefe kennenlernen und mein Wesen ergründen.“). Das ist so so wertvoll, dass Du den Weg zurück ins Leben und zurück zu Dir finden durftest und darfst! Mich haben Deine Worte tief berührt und ich glaube, dass Du ein so herzlicher und empathischer Mensch bist, dass so viel Güte und Liebe in Dir steckt, dass Du Dich mit all Deinen Qualitäten für genau die richtige Tätigkeit für Dich entschieden hast!

    Herzlichst,
    Tatjana

    • WP Admin sagt:

      Liebe Tatjana, dein Kommentar hat mich sehr berührt. Was du aus meinen Zeilen entnommen hast stimmt vollkommen. Auch du wirkst auf mich sehr mitfühlend. Und ja, für einige aus unserer Gruppe war zu Beginn meine so andere Haltung dem Sterben und Tod gegenüber, ich möche mal sagen, etwas befremdlich. Später kamen einige und wollten ebensolche Haltung erlangen, mit denen machte ich dann Trancen und Rückführungen. Als Lifecoach arbeite ich viel mit diesen Techniken und fast alle meine Klienten verlieren ihre Hauptangst dem Sterben gegenüber. Um das zu verstehen, muss man es erfahren haben… in den nächsten Beiträgen werde ich über Rückführungen und konkrete Sterbeerlebnisse berichten. Wenn du dann Fragen dazu hast, kannst du sie gerne im Kommentar stellen. Liebe Grüße und nochmals herzlichen Dank, die Christina

  • Hi Christina,

    danke für diesen berührenden und so offenen Beitrag. Ein wichtiges Thema, ein schwieriges Thema.

    Auch in meiner Familie gibt es unüberbrückbare Differenzen … wobei ich mich oft frage, ob es nicht eher ein Ego-Kampf ist. Klasse und Respekt, dass Du Deinen Ärger für Deinen Dad hinter Dir lassen konntest. Ich finde das ehrlich ganz stark.

    Meine Mum macht auch Sterbebegleitung und ich bewundere sie dafür. Auch Dich. Für die Kraft, die menschliche Wärme, Eure Hilsbereitschaft und Menschenliebe.

    Chapeau!

    Fussige Grüsse, Jana

    • WP Admin sagt:

      Hallo Jana, natürlich sind es immer Egokämpfe wenn die Familie zerstritten ist. Daher bin ich wirklich doppelt dankbar, dass ich die Differenzen mit meinem Vater beseitigen konnte. Es gibt meiner Seele eine tiefe Ruhe. Da dieser Artikel sehr viel Interesse geweckt hat, werde ich weitere Artikel zum Thema Sterben und Tod veröffentlichen und der nächste Artikel wird sich mit dem Zerwürfnis mit meinem Vater beschäftigen. Wir sollten in unserem inneren für Frieden sorgen, denn nur dann ist Frieden auch im Außen möglich. Ich wünsche dir viel Kraft auf deinem Weg und deiner Mutter alles Gute bei ihren Begleitungen…alles Liebe für dich, die Christina

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